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Imperial Austria Residences

Alles über die Residenzen der Habsburger

 
 

Schönbrunner Gelb

Ein Markenzeichen mit schillernder Historie

Schloß Schönbrunn besitzt in seinem Aussehen viele markante Charakterzüge. Ein Charakterzug, der sofort ins Auge springt, ist seine Farbe. Ein heiteres Gelb, das durch seinen Namen untrennbar mit Schönbrunn verbunden ist.

Nüchtern betrachtet, handelt es sich beim Schönbrunner Gelb um Goldocker, eine Erdfarbe, die, je nach Mischungsverhältnis mit Kalk, heller beziehungsweise dunkler erscheint. Der Habsburger-”Streich”, nicht nur die Wiener (Sommer-) Residenz, sondern sämtliche offiziellen Gebäude, in Schönbrunner Gelb zu tauchen, sowie die Bereitschaft des Bürgertums, diese “Mode” zu übernehmen, macht die Farbe aber spätestens seit 1918, dem Ende der Monarchie, weltberühmt und zu einem Mythos.

Ein Mythos birgt immer einen Hauch von Geheimnis in sich. Dementsprechend weist auch das Schönbrunner Gelb eine schillernde Geschichte auf.

Schon sein Erscheinungsbild war im Laufe der Jahrhunderte ein äußerst wechselhaftes. Ocker war stets im Spiel. Aber dieser ist als natürliches Pigment, je nach Vorkommen und Verarbeitung, überaus wandlungsfähig. Im Zuge der zahlreichen Aus- und Umbauphasen von Schloß Schönbrunn spiegelte er viele Farb-Nuancen.

Färbelungs-Konzepte

In der esten Bauphase unter Johann Bernhard Fischer von Erlach, Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts, präsentierten sich die Schloß Schönbrunn Fassaden, nach heutigem Wissensstand und Untersuchungen in den Labors des Österreichischen Bundesdenkmalamtes, in hellen, rötlichen (ziegelfarbenen) sowie gebrochen-weißen Tönen.

Unter Nikolaus Pacassi war die erste Färbelung im Rahmen des groß angelegten Schlossaus- und -umbaus für Kaiserin Maria Theresia (ab 1743) ein relativ dunkler Ockerton mit Weißgliederungen. Dieser wurde bald durch einen hellen, goldgelben Ockerton mit weißen, leicht hellgrau getönten Gliederungen überstrichen. Um 1780 unter Kaiser Joseph II. erhielt Schloß Schönbrunn eine noch hellere ocker-farbene Fassung (leicht rosa-stichig) mit weißen beziehungsweise hell-beigen Gliederungen.

In einer weiteren Umbauphase unter Johann Aman im frühen 19. Jahrhundert zierte Schloß Schönbrunn erst eine monochrome, sandsteinfarbene Fassung, die einen Grünschimmer aufwies. Danach begannen – in einer Art Rückgriff auf den Goldocker-Ton unter Kaiserin Maria Theresia – die Färbelung im heute typischen Schönbrunner Gelb , zweifärbige Fassungen mit dunkleren Quader-Oberflächen und helleren Fassaden-Gliederung.

Herkunft

Zum schillernden Erscheinungsbild des Ockers im Laufe der Jahrhunderte gesellen sich zusätzlich noch Fakten und Geschichten rund um Herkunft und Grund, warum er verwendet wurde.

Generell ersetzten Farbanstriche teures (Stein-)Material und erlaubten zusätzlich weitere stilistische Akzente. Speziell Goldocker, vorzugsweise aus Frankreich und Itallien, war auf Grund seiner besonderen Qualität bereits seit der Barockzeit für Repräsentationsbauten äußerst beliebt. Allerdings auch kostspielig. Der Schönbrunner Ocker stammte aus Böhmen. Die Habsburger besaßen dort entsprechende Fördergruben. War es also Sparsamkeit? Oder eine geschickte Maßnahme für die Wirtschaft, um diese anzukurbeln?

Farb-Mixtur

Nicht zuletzt lässt sich das Schönbrunner Gelb in einer allgemein gültigen Formel nur annähernd bestimmen. Zeit und Witterung hinterlassen Spuren. Generell wurden früher bei Renovierungen häufig die jeweils aktuellen, durch Umwelteinflüsse veränderten, Farbtöne als Vorbild für die jeweils neuen Anstiche genommen. Zunächst eher helle Farbtöne wurden dann mit jeder Renovierung insgesmat immer dunkler. Das derzeitige Farbkonzept von Schloß Schönbrunn basiert auf Befunden der helleren Schönbrunner Gelbtöne aus der ersten hälfte des 19. Jahrhunderts.

Grundsätzliche Orientierungshilfe bietet ein in Schweden erstelltes Farbwertesystem. Nach dem Natural Color System liegen die Werte für den jetzt helleren Schönbrunner Gelbton zwischen S 0510-Y 20 R und S 0510-Y 10 R, die für den jetzt dunkleren Schönbrunner Gelbton zwischen S 0540-Y 10 R und S 0530-Y 10 R.

Die hohe Lichtbrechung des traditionellen kristallinen Kalk-Anstriches, wie er noch heute bei Restaurierungsarbeiten in Schönbrunn verwendet wird, bewirkt, dass das Schönbrunner Gelb je nach Lichteinfall unterschiedlich intensiv, einmal als kühlerer, einmal als wärmerer Farbwert, wirkt. Im Gegensatz dazu fehlt leichter aufbringbaren Silikat-Anstrich der “Glanz” vom Kalk, sie weisen eine stärkere sowie einheitlichere Deckkraft auf und sind dadurch “eintöniger”.

Im Zweifelsfall empfiehlt es sich für den Hausgebrauch, Farbmuster anzufertigen. So, wie es – bei großflächigen Restaurierungen – auch die Experten in Schönbrunn tun.

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