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Maria Theresia und ihre Kinder (2)

Kaiserkinder beim Theaterspielen, 2. v. l.Maria Anna © KHM/SKB

Kaiserkinder beim Theaterspielen, 2. v. l.Maria Anna © KHM/SKB

Teil 2: Maria Anna – »Das Aschenbrödel«

Maria Anna kam als zweites Kind von Maria Theresia am 6. Oktober 1738 zur Welt.

Über die ersten zwei Lebensjahre »Mariandls« – später »Marianna« gerufen – ist wenig bekannt. Als ihr Bruder Joseph am 13. März 1741 auf die Welt kam, waren bereits ihre ältere Schwester Maria Elisabeth und ihre jüngere Schwester Maria Karoline verstorben. Von nun an drehte sich alles um den lang ersehnten Thronfolger. Marianna wurde kaum wahrgenommen. Es gab nur zwei große Auftritte, die sie als Kind ins unmittelbare Zentrum des Interesses stellten. Es handelte sich um die beiden Krönungen Maria Theresias zur Königin von Ungarn 1741 und zur Königin von Böhmen 1743.

In den beiden folgenden Jahren kamen zwei weitere höchst erfolgreiche Konkurrentinnen hinzu: Maria Christina (Mimi) und Maria Elisabeth (Liesl). Marianna besaß eine zarte Figur und auffallend schöne Hände, doch ihr Gesicht wirkte bald hart und eckig. Sie sah ihrem Vater sehr ähnlich, der allgemein als gut aussehender Mann bezeichnet wurde.

Sie war vielseitig begabt, im Tanzen brachte sie es zu überdurchschnittlicher Fertigkeit. Im Studium war sie eifriger und konzentrierter als die meisten ihrer Geschwister. Besonders auffallend war ihr phänomenales Gedächtnis.

Unter der ständig wachsenden Kinderschar gab es Rivalitäten und Sticheleien, deren bevorzugtes Ziel Marianna war. Im Kampf um die Liebe der Mutter zog Marianna stets den Kürzeren. Joseph besaß aufgrund seines Geschlechts eine Sonderstellung, aber auch gegen Mimi und Liesl war Marianna im Hintertreffen. Liesl war zwar kokett und oberflächlich, aber so überirdisch schön, dass jedermann von ihr hingerissen war.

Mimis Anblick war nicht so überwältigend, doch sie war niedlich und anschmiegsam, mit allen Schlichen weiblicher Raffinesse begabt. Die Mutter war derart vernarrt in sie, dass Mimi sich praktisch alles erlauben konnte, was den anderen streng verboten war.

Marianna war ab dem dritten Lebensjahr – also ziemlich genau nach der Geburt des Bruders Joseph – das, was man auf gut Wienerisch einen »Krankensessel« nennt. Es gab keinen Winter ohne Husten. Kaum jemals erwähnt Maria Theresia in ihrer Korrespondenz einen der Vorzüge ihrer Ältesten, jedoch immer ihre körperlichen Gebrechen. Als Gesunde besaß Marianna keinen besonderen Stellenwert, als Kranke wurde sie von der Mutter wenigstens beachtet. So litt sie pausenlos unter mehr oder weniger dramatischen Wehwehchen.

Fortsetzung folgt!

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